Ablösung von UKW durch DAB+

DAB+ ist der neue Radiostandard, der den bisherigen Standard UKW bald vollständig ablöst. DAB+ steht für «Digital Audio Broadcasting» beziehungsweise die digitale Verbreitung von Radiosignalen über die Luft. Die DAB+-Verbreitung ist unabhängig vom Internet. Um DAB+-Programme empfangen zu können, braucht es ein DAB+-taugliches Gerät.

Gegenüber UKW besitzt DAB+ diverse Vorteile: So erfolgt der Empfang beispielsweise ohne Rauschen, die Frequenzen müssen nicht manuell gesucht werden und die Programmauswahl ist deutlich grösser als bei UKW. Je nach Programm sind Zusatzinformationen wie Text, Programmlogos und Verkehrsinformationen via Navigationsgeräte möglich. Des Weiteren benötigt die Verbreitung von DAB+ deutlich weniger Sendeantennen als UKW, was die Technologie effizienter und sparsamer im Energieverbrach macht. Die Nutzung ist anonym und kostenfrei.

Der direkte Nachfolger von UKW ist DAB+. Am weitesten verbreitet ist neben DAB+ das Radiohören via Internet (IP) wie zum Beispiel über Smartphones und Computer. Im Gegensatz zum Internet ist DAB+ eine «Free to Air»-Technologie, das bedeutet: Der Zugang ist für alle Radionutzerinnen und Radionutzer gratis. Das Nutzerverhalten ist anonym und kann im Gegensatz zu IP nicht analysiert werden. Ein weiterer Unterschied ist, dass DAB+ das Publikum unlimitiert und weniger störungsanfällig versorgt. IP ist im Gegensatz dazu limitiert und ist vor allem für die Krisenkommunikation zu wenig zuverlässig. Würde Radio ausschliesslich über Internet oder den Mobilfunk verbreitet, wären die Radiohörerin und der Radiohörer von einem Netzprovider abhängig. Das wäre heikel. 

Die Arbeitsgruppe Digitale Migration (AG DigiMig: Radiobranche zusammen mit dem Bundesamt für Kommunikation) hat 2014 beschlossen, spätestens Ende 2024 die UKW-Sender abzuschalten. Aufgrund der positiven Entwicklung – 68 Prozent der Hörerinnen und Hörer empfingen Ende 2019 ihr Lieblingsprogramm bereits digital und nur noch 15 Prozent ausschliesslich über UKW – prüfen die SRG und die Privatradios gegenwärtig eine vorgezogene UKW-Abschaltung. Zur Diskussion steht eine gestaffelte Abschaltung per Mitte 2022 (SRG-Programme) und Anfang 2023 (Privatradios mit Ausnahmen in der Grenzregion zwischen der Schweiz und Frankreich).

Bisher hat in Europa erst Norwegen mit der Abschaltung von UKW Erfahrungen gemacht. Das Land stellte UKW 2017 ab. Daraufhin ging die Radionutzung spürbar zurück. Inzwischen aber hat sie sich wieder auf das Niveau vor der Abschaltung eingependelt. Ein positiver Aspekt der Digitalisierung ist das wesentlich grössere Angebot. Dies hat dazu geführt, dass heute länger Radio gehört wird als vor der Abschaltung. In der Schweiz sind jedoch bereits heute wesentlich mehr DAB+-Geräte auf dem Markt als damals in Norwegen. Zudem ist der Anteil der digitalen Radionutzung in der Schweiz markant höher.

Die SRG ist seit jeher im Auftrag des Bundes treibende Kraft bei der Entwicklung von DAB+ in der Schweiz. Um die Technologie weiter voranzutreiben und die teure Parallelverbreitung UKW/DAB+nicht unnötig in die Länge zu ziehen, geht sie auch bei der Abschaltung voran.

Das DAB+-Sendenetz ist in der Schweiz bereits gut ausgebaut. Der Ausbau ausserhalb von Gebäuden (outdoor) beträgt 99 Prozent, innerhalb von Gebäuden (indoor) über 98 Prozent. Die DAB+-Versorgung an deinem Wohnort kannst du einfach hier überprüfen (nur SRG-Programme).

Der DAB+-Empfang hängt jedoch von weiteren Faktoren ab. Auch bei guter Versorgung können die Gebäudebeschaffenheit oder Störquellen den Empfang beeinträchtigen. Für störungsfreien Empfang brauchen Sie in jedem Fall eine gute Empfangsantenne. Bei tragbaren Geräten mit eingebauter Antenne können Sie versuchen, durch Verschieben des Geräts eine bessere Empfangsposition zu finden.

Der Empfang kann auch durch elektromagnetische Störfelder beeinflusst werden. Solche Quellen sind beispielsweise Elektro- und Haushaltgeräte, LED-Sparlampen, Computer oder die hausinterne Datenkommunikation über das Stromnetz (sogenannte PLC Powerline Communication). Ein Standortwechsel oder eine Zurücksetzung des Gerätes auf die Werkseinstellung hilft in den meisten Fällen.

Ja, mit einem entsprechenden DAB+-Empfangsgerät. DAB+ zählt zwischenzeitlich bei rund 96 Prozent aller Schweizer Neuwagen zur Grundausstattung. Die meisten Automarken bieten zudem den Einbau von DAB+-Autoradios auf Wunsch an.

Für bestehende UKW-Autoradios gibt es diverse Möglichkeiten. Zum selbst Nachrüsten empfiehlt sich der DAB+-Universaladapter. Dieser übermittelt das DAB+-Signal kabellos an das eingebaute UKW-Radio. Ebenfalls selbst nachrüsten lassen sich DAB+-DIN-Schacht-Radios. Für diese Nachrüstung sind technische Kenntnisse erforderlich. Zudem muss das Auto über einen DIN-Schacht verfügen.

Integrierte und markenspezifische Nachrüstlösungen bieten den Vorteil, dass sie unsichtbar sind und über die gewöhnliche Autoradiosteuerung bedient werden können. Allerdings sind diese Lösungen aufwändiger einzubauen und erfordern umfassendes technisches Know-how. Wir empfehlen, sich bei der entsprechende Markenvertretung oder beim Auto-Hi-Fi-Experten zu erkundigen.

Weitere Empfehlungen finden sich im Einkaufsberater.

Mit ganz wenigen Ausnahmen sind alle Strassentunnel mit einer Länge von mehr als 300 Metern (Nationalstrassentunnel und Tunnel, die zusätzlich vom Bundesamt für Strassen betreut werden) mit DAB+ ausgerüstet. Auch einzelne Tunnel im Besitz der Kantone sind mit DAB+ ausgerüstet, und es laufen Gespräche, damit auch die restlichen Tunnel bis zur UKW-Abschaltung auf DAB+-Empfang umgestellt werden können. Eine Liste inklusive Suchfunktion mit allen Nationalstrassentunnel, die mit DAB+ ausgerüstet sind, findet man hier.