Medienqualität in der Schweiz

News 11.01.2018

Die Schweizer Medienlandschaft kennt eine Vielzahl von «Qualitätsmedien». Eine besondere Rolle kommt in diesem Zusammenhang auch den Radio- und Fernsehsendern des Service public zu: Sie sind durch die Verfassung verpflichtet, «Ereignisse sachgerecht darzustellen und die Vielfalt der Ansichten angemessen zum Ausdruck zu bringen» (BV 92 Abs. 2).

Jedes Jahr im Herbst erscheint das Jahrbuch Qualität der Medien, herausgegeben vom Forschungsinstitut Öffentlichkeit und Gesellschaft der Universität Zürich (fög). Es ist, wie der Name sagt, der Qualität der Medien oder eben der Medienqualität gewidmet. Diese wird vom fög verstanden als Grundvoraussetzung einer funktionierenden Demokratie.

Die entsprechenden Kriterien – Relevanz, Vielfalt, Einordnungsleistung und Professionalität – finden sich «in den gesetzlichen Anforderungen an den öffentlichen und privaten Rundfunk mit Leistungsauftrag, in den Leitbildern des professionellen Journalismus, in den Satzungen von Presse- und Medienräten und in sozialwissenschaftlichen Theorien zur Qualitätsanalyse.».

Nachfolgend sind die Hauptbefunde der diesjährigen Ausgabe des Jahrbuchs Qualität der Medien aufgelistet.

  1. Professionelle Informationsmedien seien so wichtig wie nie zuvor: «Ihnen kommt die unverzichtbare Aufgabe zu, in der freien Wildbahn des digitalen Netzes eine Kuratierungs- und Kontrollfunktion wahrzunehmen», schreiben die Autoren.
  2. «Digital First» - Medienkonsum finde immer mehr auf digitalen Kanälen statt. Facebook, Google und Co. seien für den Zugang der Bevölkerung zu News zunehmend wichtig. Dieser entbündelte Medienkonsum schwäche die Medienmarken der lokalen Medien.
  3. Alternative Medien (als Gegenspieler der etablierten Medienmarken): Diese hätten in der Schweiz noch nicht die Bedeutung, die sie andernorts haben. Einzelne Beiträge fänden aber bereits grosse Beachtung.
  4. Qualität von Newssites nähme zu, nachdem diese lange schlechter abgeschnitten hätten als ihre Entsprechungen in der Presse und im Rundfunk. Auch mit guter Medienqualität liesse sich ein breites Publikum ansprechen. Beispiele hierfür seien die Informationssendungen des öffentlichen Rundfunks, aber auch die Sonntagstitel Il Caffè, Le Matin Dimanche und die NZZ am Sonntag oder die Abonnementstitel Corriere del Ticino, 24 heures und der Tages-Anzeiger.
  5. Facebook sei schlecht für die Qualität der Medien, da Social Media auf Emotionen zielen, weil diese die meisten Interaktionen auslösen. Viele Medien bieten auf Facebook gegenüber den eigenen Kanälen eine mindere Qualität an. Abonnementszeitungen hingegen entziehen sich diesem Trend ein Stück weit. Und es gibt Medienanbieter, die auch mit qualitativ guten Beiträgen auf Social Media Nutzerreaktionen auslösen.
  6. Konzentrierter Medienmarkt: In der Deutschschweiz machen die drei grössten Schweizer Medienhäuser im Jahr 2016 71% der Online-Medienreichweite aus. In der Suisse romande und in der Svizzera italiana seien es gar je 88%.

Service public und Qualität

Doch was ist Qualität überhaupt? Während eine Privatfirma Qualitätskriterien relativ autonom definieren kann, gelten für die SRG als Unternehmen mit öffentlichem Auftrag andere Regeln. So nennt die Konzession vier übergeordnete Qualitätsdimensionen: Relevanz, Glaubwürdigkeit, Verantwortungsbewusstsein und journalistische Professionalität. Neben diesen national definierten Standards gibt es auch jene Kriterien und Qualitätsziele, die sich jede Unternehmenseinheit – bis hin zur kleinsten Redaktion – selber setzt. Dabei handelt es sich insbesondere um Ansprüche, die ganz konkret an das journalistische Handwerk geknüpft sind. Neben der Gesetzgebung und den eigenen Ansprüchen gibt es aber noch eine dritte Instanz, die bei der Bestimmung von Qualität eine wesentliche Rolle spielt, nämlich das Publikum.

Wie stellt die SRG die Qualität sicher?

Um Qualität sicherzustellen, muss die SRG die messbaren Perspektiven so gut wie möglich kennen. Die Perspektive des Publikums wird aus der Nutzungsmessung («Quoten») und aus regelmässig durchgeführten Umfragen ersichtlich. Um die von der Gesetzgebung definierten (und auch alle anderen gesetzten) Qualitätsziele zu überprüfen, kommen zunächst die einheitlichen Minimalbausteine zur Qualitätssicherung in allen vier Sprachregionen und bei Swissinfo zum Einsatz. Bei den Minimalstandards handelt es sich weitgehend um standardisierte Prozesse, denn klar definierte Prozesse sind punkto Qualität die halbe Miete.

Auch die Trägerschaft der SRG hat die Aufgabe, die Programmqualität der SRG-Produkte zu beobachten und zu beaufsichtigen. So besteht in jeder regionalen Trägerschaft auch ein Publikumsrat, der sich regelmässig und intensiv mit der Qualität der jeweiligen Programme befasst. Und schliesslich beauftragt auch das Bundesamt für Kommunikation jährlich unabhängige Institute – meist Universitäten – mit der Analyse des Programms der SRG.

Warum überhaupt Qualität?

Die SRG ist das grösste Medienhaus der Schweiz und zu einem guten Teil durch Gebühren finanziert. Als Service-public-Unternehmen trägt sie wesentlich zur freien Meinungsbildung der Bürgerinnen und Bürger bei. Zudem wird die mediale Welt mit zunehmender Digitalisierung immer komplexer. Der Medienwandel führt unter anderem dazu, dass es immer schwieriger wird, relevante, zuverlässige Nachrichten von ungefilterter, unkontrollierter Informationswiedergabe zu trennen. All dies sind gute Gründe, weshalb die SRG ihre Verpflichtung gegenüber der Qualität sehr ernst nehmen will und muss.

Zum Schluss noch dies: Aktuelle Publikumsbefragung

Am 11. Januar 2018 hat das BAKOM die Resultate einer Publikumsbefragung veröffentlich. «Diese regelmässig durchgeführte Studie erhebt nach wissenschaftlichen Kriterien und für die Schweiz repräsentativ den subjektiven Eindruck, den das Schweizer Medienpublikum von den Leistungen der privaten sowie öffentlichen Radio- und TV-Programme hat. Dabei bewerten die Fernsehzuschauerinnen und Radiohörer diejenigen öffentlichen und privaten Sender, die sie am häufigsten nutzen», so das BAKOM.

Die Arbeit der SRG und ihrer Sender wird vom Publikum sehr gut bewertet. Die Autoren fassen zusammen:

  • «Die öffentliche Debatte um den Wert der SRG-Angebote hat sich nicht negativ auf die Bewertung der Angebotsqualität ausgewirkt. Im Vergleich zum Vorjahr ist die ‹Gesamtzufriedenheit› (3,9) mit den SRG-Fernsehangeboten sogar signifikant gestiegen.»
  • «Als Fazit ist festzustellen, dass die Menschen in der Schweiz die Angebote der SRG weiterhin hochschätzen und überwiegend besser bewerten als die Alternativangebote der Lokalradio und Regionalfernsehsender.»