Die SRG hat ein feines Gehör für Schweizer Musik

30.01.2018

Musik ist nur dann etwas wert, wenn man sie hört. Die Radiosender und die Musikförderungsstrategie der SRG sorgen dafür, dass Volksmusik, klassische Musik und moderne Musik nicht ungehört verhallen.

Es gehört zum Auftrag der SRG, zur kulturellen Entfaltung und zur Stärkung der kulturellen Werte des Landes sowie zur Förderung der schweizerischen Kultur beizutragen (Artikel 2 der Konzession SRG). Die SRG macht dies auch für die Schweizer Musik. Als Schweizer Musik gelten Aufnahmen oder Live-Ausstrahlungen mit Schweizer Komponisten, Interpreten oder Produzenten sowie Aufnahmen mit massgeblicher Schweizer Beteiligung.

Musik ist König im Radio

Hauptverbreitungskanal für Musik ist das Radio. Bis zu 52 Prozent ihrer Sendezeit senden die SRG-Radios Schweizer Musik. Wichtig für das Musikangebot sind insbesondere die sechs Spartenradios Radio Swiss Pop, Radio Swiss Jazz, Radio Swiss Classic, Radio SRF Virus, Radio SRF Musikwelle und RTS Option Musique. Diese erreichen täglich 1,4 Millionen Hörerinnen und Hörer.

In der Klassik zeichnet die SRG jährlich 500 Konzerte auf. Auch Volksmusik erfreut sich grosser Beliebtheit. Der Radiosender SRF Radio Musikwelle widmet sich fast ausschliesslich der Volksmusik. Aber auch in den anderen Radios lebt diese Musiksparte in Sendungen wie «Zoogä-n-am Boogä», «Rabadan», «Le Kiosque à musiques» oder «La populara».

Wie viel Schweizer Musik jeder Radiosender ausstrahlt, wird mit Vertretern der Schweizer Musikbranche seit 2004 in der sogenannten Musikcharta vereinbart. Jahr für Jahr hat sich seither der Anteil Schweizer Musik in den Radioprogrammen erhöht. 2016 wurde die Musikcharta erneuert: Das heimische Musikschaffen wird nun auch im Fernsehen und Internet gefördert.

Festivals und junge Talente

Neben der Musikausstrahlung via Radio fördert die SRG auch talentierte Musikerinnen und Musiker und beteiligt sich an Aktivitäten zur Förderung der Schweizer Musik. Radio SRF 3 spielt beispielsweise wochentags während einer Stunde ausschliesslich heimische Musik und präsentiert Neuheiten und Entdeckungen. Der Förderpreis «Best Talent» zeichnet monatlich aufstrebende Künstlerinnen und Künstler aus und trägt so zu ihrem musikalischen Erfolg bei. RSI ermöglicht durch die Sendung «Confederation music» Begegnungen mit Schweizer Musikerinnen und Musikern sowie Schweizer Musikschaffenden im Ausland.

Zahlreiche Festivals können auf die Medienpartnerschaft mit der SRG zählen: vom «Paléo Festival Nyon» über das «Lucerne Festival» und das «Progetto Martha Argerich» bis hin zum «Open Air Lumnezia». Seit 2004 ist RTS beispielsweise Hauptpartner des urbanen Festivals «Label Suisse»: Auf dem Programm stehen Rock, Pop, Folk, elektronische Musik, Hiphop, Chansons, Jazz, klassische Musik und Chorgesang – und all dies ist auch auf andern SRG-Radiosendern zu hören. Für den Nachwuchs in klassischer Musik gibt es seit 40 Jahren die alle zwei Jahre von RTS organisierte «Schubertiade». Die Veranstaltung ist auch jenseits der Schweizer Grenzen ein Begriff. Bei RTR haben die Chöre einen wichtigen Stellenwert. RTR zeichnet Chorauftritte auf und bringt sie in den Sendungen. Mit der Serie von Musikproduktionen unter dem Titel «Top Pop Rumantsch» fördert RTR seit 2005 gezielt romanische Musik.

Plattformen und Mitgliedschaften

Auch im Internet treffen sich die Schweizer Musikschaffenden. Auf der von der SRG gegründeten Plattform mx3.ch sind mehr als 24 000 Gruppen und Künstler registriert und rund 100 000 Personen besuchen monatlich die Website. Elf Radiostationen sind Partner der Plattform und nutzen sie, um neue Bands zu entdecken. Seit letztem Jahr befindet sich auch die Volksmusik (vxm.ch) auf dem Musikportal.

Die SRG beteiligt sich aktiv an verschiedenen Musikinstitutionen:

  • Schweizer Musikrat
  • Fondation romande pour la Chanson et les Musiques actuelles
  • Stiftung Sinfonieorchester Basel
  • Suisa-Stiftung
  • Stiftung für Radio und Kultur Schweiz (Swissperform)
  • Arbeitsgemeinschaft für die Verbreitung der Schweizer Musik

«Schweizer Musik hörbar machen»

Marc Savary ist Leiter Projektkoordination in der SRG-Direktion Entwicklung und Angebot. Er sagt, weshalb die Musikbranche eine SRG braucht. Und Bruno Marti erläutert als Leiter der Interpretengenossenschaft (SIG), welche Bedeutung die SRG für die Musikbranche hat. 

Marc Savary, was machen die Radios der SRG für die Schweizer Musik?

Sie strahlen einerseits einen grossen Anteil an Schweizer Musik aus und ergänzen sie mit redaktionellen Beiträgen, andererseits schenken sie jungen Talenten und Nischenmusik besondere Aufmerksamkeit. Nicht zu vergessen ist die Bedeutung des Radios, aber auch des Fernsehens für die grossen Musikveranstaltungen im Land. Schliesslich verhilft die SRG der Schweizer Musik dank Austausch im Rahmen der European Broadcasting Union (EBU) zu einer Ausstrahlung bis ins Ausland.

Weshalb sind Vereinbarungen wie die Musikcharta nötig?

Chartas sind ein Mittel, um einen professionellen Dialog zwischen Musikern und Radiosender zu etablieren. Es ist eine Art Peitschenhieb für die Art und Weise der Zusammenarbeit, aber auch für den gegenseitigen Respekt. Ein bisschen provokativ ausgedrückt ist die Charta heutzutage fast überflüssig geworden, weil der Dialog mit der Musikbranche sehr gut und das Vertrauen vorhanden ist.

Welche Entwicklungen strebt die SRG im Musikbereich an?

Mit der Erneuerung der Charta will die SRG ihren Willen kundtun, auch in den Bereichen Fernsehen und Multimedia ihre Arbeit für und mit den Schweizer Musikern weiterzuentwickeln. Die neue Art, wie Musik konsumiert wird, und der Fortschritt der Online-Musikplattformen zwingen Musiker und Radioveranstalter, neue Formen zu finden, um die Schweizer Musik weiterhin hörbar zu machen.

 

Bruno Marty, was hat die Musikbranche an der SRG?

Ich denke, beide Seiten haben etwas voneinander. Künstlerinnen und Künstler kreieren, interpretieren und produzieren ständig neue Musik, und die Programme der SRG sind die besten Verbreiter dafür. Wir finden Gehör. Schweizer Musik in aller Vielfalt – von Elektro bis Klassik und von Volkstümlich bis Jazz. Private Radioprogramme senden kaum so viel Schweizer Musik und nicht in dieser Vielfalt.

Welche Anliegen haben Sie an die SRG?

Dass das einheimische Kulturschaffen (nach wie vor) einen hohen Stellenwert bei den Machern der Programme geniesst und thematisiert wird. Dass neue Produktionen entsprechende Präsenz finden und Kooperationen ermöglicht werden. Und generell mutige Programme. Denn Hör- und Sehgewohnheiten entstehen beim Hören beziehungsweise Sehen.

Was ist für Sie Service public im Musikbereich?

Dem Publikum ein breites Spektrum von Musik hör- und sichtbar zu machen. Für Jung und Alt – über Radio, TV und Online. Sich aber auch mit der Musikszene auseinanderzusetzen, Bewährtes beizubehalten und Neues zu wagen. Trends, Gewohnheiten und Nutzungsformen verändern sich laufend. So muss sich auch der Service public ständig anpassen und in Bewegung bleiben. Denn die Konkurrenz schläft nicht, und sie ist international.

 

SRG und Musik

  • Die SRG-Radioprogramme senden mit 11 bis 52 Prozent einen deutlich höheren Anteil Schweizer Musik als noch vor zehn Jahren.
  • Die SRG gibt sieben Prozent ihres Budgets für Musik und Jugend aus – also rund 109 Millionen Franken.
  • Die SRG überweist der Suisa jährlich 35 Millionen Franken (Vergütungen für Urheberrechte).
  • 2016 flossen sechs Millionen Franken an die Suisa-Miglieder. Die SRG zahlt jährlich sechs Millionen Franken an Swissperform (verwandte Schutzrechte).

Service public und Kulturförderung

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