Ablösung von UKW durch DAB+

Digitalradio: Umstieg von UKW auf DAB+

In der Schweiz sind aktuell bereits über 120 DAB+-Programme on air.  Und: Radio wird immer häufiger über digitale Wege konsumiert. Am weitesten verbreitet sind dabei das Radiohören via Internet (mobil und stationär) und DAB+ (terrestrisch). Das Hybridradio vereint diese beiden Technologien. Analoge Übertragungsverfahren wie UKW in Betrieb seit 1952 haben bald ausgedient.

Der internationale Standard zum Ersatz von UKW heisst DAB+. In der Schweiz sind bereits heute über 99 Prozent der Bevölkerung mit DAB+ versorgt. Die Technologieumstellung von UKW auf DAB+ läuft schon seit mehreren Jahren. Entsprechend hoch ist auch der Absatz von DAB+-Radios in der Schweiz: Waren vor 10 Jahren erst knapp 500 000 Geräte verkauft, so waren es 2019 schon fast 4,5 Millionen (siehe Kennzahlen des Bakom vom November 2019).

Aus diesem Grund hat die Schweizer Radiobranche bereits 2014 beschlossen, die Verbreitung via UKW bis spätestens 2024 einzustellen. Bis dann sollen die gut 1300 UKW-Sender in der Schweiz (SRG und private Radioveranstalter) abgeschaltet werden. 

Gemäss heutigem Stand der Diskussionen ist geplant, dass die SRG ihre Radioprogramme mit Ausnahme des rätoromanischen Radioprogramms RTR bereits ab August 2022 ausschliesslich digital verbreiten wird. Bei den Privatradios wird es spätestens ab Januar 2023 mit Ausnahmen in grenznahen Gebieten der Westschweiz ebenfalls soweit sein.

Was bedeutet der Umstieg auf DAB+ für die SRG?

Die über 70 Jahre alte analoge UKW-Radioverbreitung hat das Ende ihres Lebenszyklus erreicht. Die SRG muss UKW durch eine zeitgemässe Technologie ablösen – ein Parallelbetrieb von UKW und DAB+ wäre aufwendig und teuer. Kurz: Die Zukunft der Radioverbreitung ist digital.  

Die SRG spart mit der UKW-Abschaltung einen Betrag im unteren zweistelligen Millionenbereich. Sie treibt mit den frei werdenden Mitteln die Digitalisierung des Unternehmens voran und reinvestiert Ressourcen ins Angebot:

  • Sie fördert den Ausbau ihrer digitalen Produkte – zum Beispiel mit Play-Apps, Podcasts und Streaming-Plattformen.
  • Sie investiert in neue Formen der Distribution – zum Beispiel in die Sprachsteuerung für Smart Speaker oder in Radio fürs Autofahren (In Car Infotainment).
  • Sie setzt auf neue Erzählformen – zum Beispiel auf kürzere und lebendigere Formate für ein jüngeres Publikum.
  • Die Digitalisierung bietet die Möglichkeit der Konfektionierung – Inhalte lassen sich auf die Zielpublika massschneidern.

Die UKW-Abschaltung zahlt somit auf das unternehmerische Ziel ein, den Umbau der SRG zu realisieren und den Medienwandel für Radio, TV und Online voranzutreiben – hin zu einem Verhältnis von 50 Prozent Broadcast und 50 Prozent Broadband über alle drei Vektoren hinweg.

Welche Vorteile hat die UKW-Abschaltung in Bezug auf die Umwelt?

  • Die UKW-Abschaltung kommt der Energiebilanz und somit der Umwelt zugute. Denn durch den Wegfall der dualen Signalverbreitung (UKW für die analoge und DAB+ für die digitale Radio-Distribution) können pro Jahr etwa 40 000 Megawattstunden Strom gespart werden. Auch die graue Energie – zum Beispiel für die Erneuerung und den Unterhalt von Antennen – lässt sich deutlich reduzieren.  
  • DAB+ verursacht deutlich weniger Elektrosmog als UKW. So strahlt das Netz für DAB+ etwa fünfmal weniger als das UKW-Netz bei gleicher Versorgung. Pro ausgestrahltes Radioprogramm ist es sogar zwanzigmal weniger. Allgemein steigt das Interesse am Thema Strahlenbelastung – angeheizt durch die 5G-Diskussion. Während sich 4G- oder 5G-Antennen für Mobiltelefonie naturgemäss inmitten besiedelter Gebiete befinden, ist es bei der Signalverbreitung von DAB+ genau umgekehrt: Die Antennen stehen an entfernten (Höhen-)Standorten. Entsprechend tief ist die Strahlenbelastung für die Bevölkerung.

Welche Vorteile hat DAB+ gegenüber UKW für das Radiopublikum?

  • störungsfreier Empfang in der ganzen Schweiz, kein Rauschen mehr wie bei UKW,
  • grosses Programmangebot, auch überregional empfangbar
  • mehrere Programme auf einer Frequenz; bei UKW nur ein Programm pro Frequenz,
  • automatische Sendersuche statt manuelle Frequenzsuche,
  • kostenfreie Zusatzinformationen wie Text und Programmlogos,
  • schnellere Aktualisierung und präzisere Angaben bei den Verkehrsinformationen auf dem Navigationsgerät,
  • «free-to-air»: kostenlos empfangbar, anonym und ohne Abonnement
  • im Gegensatz zum Mobilfunk keine Netzüberlastung möglich.

Worauf muss das Radiopublikum beim Umstieg achten?

  • Beim Kauf eines neuen Radioempfängers muss darauf geachtet werden, dass das Gerät DAB+ integriert hat. Das gilt ebenso für den Radioempfang im Auto. Dies ist auf dem Gerät mit dem Vermerk «DAB+» gekennzeichnet. 
  • Der Hinweis «Digitales Radio» reicht nicht aus, da sich dieser lediglich auf das digitale Display bezieht. Der Gerätemarkt bietet eine grosse Vielfalt an DAB+-Modellen und -Marken. Zusätzlich zur wichtigsten Eigenschaft, der DAB+-Empfangstechnik, ist eine gute Tonqualität ein wichtiger Faktor bei der Auswahl eines DAB+-Radiogeräts. 
  • Am besten lässt man sich von einem Fachhändler beraten und testet die Geräte vor Ort. Dazu schaltet man sein Lieblingsprogramm ein, denn so wird man mit der Bedienung der Geräte vertraut und findet das passende Gerät für seine Bedürfnisse und Hörgewohnheiten.