SRG SSR

Nationale Tagung 2014

Nationale Tagung 2014

That's Entertainment! Unterhaltung als Teil des medialen Service public der SRG

Gehört die Unterhaltung zum Service public der SRG? «Unbedingt!», lautete der Tenor einhellig an der SRG-Tagung «That's Entertainment» vom 26. September im Verkehrshaus Luzern. Rund 300 SRG-Mitglieder aus der ganzen Schweiz unterhielten sich mit SRG-Verantwortlichen, Programmschaffenden und Experten. Federführung hatte die SRG Deutschschweiz, durchs Programm führte RTR-Nachrichtenmoderatorin Maria Victoria Haas.

Der Service public in den Bereichen Radio, Fernsehen und Online wird derzeit untersucht. Auf Wunsch von Bundesrat und Parlament wird die Eidgenössische Medienkommission (EMEK) auch den Leistungsauftrag der SRG sezieren. Untersucht wird auch die Frage, ob die Unterhaltung unabdingbar zum Service public der SRG gehört. Oder ob das grosse Feld der Unterhaltung privaten Veranstaltern überlassen werden kann, als Generika sozusagen.

Um sich hier in Position zu bringen, wollen Verwaltungsrat und Geschäftsleitung der SRG SSR ihr Verständnis von einem modernen Service public neu definieren. Das Resultat soll den SRG-Delegierten im kommenden Jahr vorgelegt werden. Wichtigkeit und Stellung der Unterhaltung im Programmangebot wird ein Kernpunkt sein. Darüber informierte SRG-Präsident Raymond Loretan in seiner Begrüssungsansprache im Luzerner Verkehrshaus, «einem sinnbildlichen Tagungsort für Entwicklung», wie er bemerkte.

Thesen aus Vorabumfrage als Diskussionsbasis

Ein wahrer Unterhaltungsmarathon erwartete die Teilnehmenden. So konnten sie sich in drei verschiedenen Räumen ein Bild über die Angebote der drei sprachregionalen SRG-Programme SRF, RTS und RSI machen. Und sie erfuhren dabei, wie unterschiedlich Unterhaltung in den Landesteilen aufgefasst und umgesetzt wird. Langeweile kam selbst in den Pausen nicht auf: So brachte die Balkan-Brassband «Traktorkestar» mit Pauken und Trompeten wohltuende Leichtigkeit ins ernste Thema – und machte spürbar, wie befruchtend das eine auf das andere wirkt.

An zwei Podiumsdiskussionen suchten und lieferten SRG-Vertreter und externe Fachleute Antworten auf die Frage «What’s Entertainment?» beziehungsweise «Welche Rolle nimmt die Unterhaltung in den SRG-Programmen – vornehmlich im TV – ein»? Als Diskussionsgrundlage dienten sieben Thesen, die mittels Online-Umfrage «Nutzungsverhalten und Ansprüche» an die mediale Unterhaltung erörtert wurden. Gegen 200 Mitglieder beteiligten sich an der zur Vorbereitung der Tagung durchgeführten Befragung. Die Resultate zeigten auf, dass beim Konsum von Unterhaltungssendungen der «Wunsch nach Entspannung und Abwechslung» vordergründig ist. Aber auch voyeuristische Motive wurden genannt, so «das Interesse an anderen Menschen und anderen Lebenswelten». Nach den Ansprüchen befragt, forderte die Mehrheit der Befragten «mehr als Zerstreuung und Ablenkung: Man möchte etwas lernen und sein Wissen erweitern».

Gefahr der Kolonialisierung durch ausländische Formate

Der als «Contrepoint» eingeladene Journalist Peter Rothenbühler stellte eine weitere These in den Raum: «Wenn die SRG nicht selber Unterhaltung macht, wird sie von europäischen und amerikanischen Formaten oder Serien kolonisiert.» Das Schweizer Publikum würde dabei zwar einiges über die Lebenswelten anderer Länder erfahren, die eigene Kultur bliebe aber auf der Strecke. Die Unterhaltung werde in der globalen Medienwelt immer wichtiger. Rothenbühlers Fazit lautete denn auch: «Fernsehen ist Unterhaltung bzw. Unterhaltung ist die DNA des Fernsehens – und damit untrennbar vom Service public. Wir müssen unsere eigene Unterhaltung haben.»

Text: Christa Arnet, Medienbeauftragte, Geschäftsstelle SRG.D

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