SRG SSR

Gremientagung 2010

Gremientagung 2010

Den Spagat mit einem dreifachen Salto vorwärts kombinieren

Wie viel Service Public soll und kann die SRG auf ihren Radio- und Fernsehkanälen über den Sport heute und in Zukunft anbieten? Dieser Frage ging eine Tagung der SRG Bern Freiburg Wallis RGB in Biel nach, die gleichzeitig die nationale Gremientagung der SRG war. An Rezepten und Forderungen fehlte es nicht. Um alle umzusetzen, müssten die Fernsehmacher ständig den Spagat mit einem dreifachen Salto vorwärts kombinieren.

Lanciert wurde die Tagung vom Philosophen und Publizisten Ludwig Hasler mit einem fulminanten und provozierenden Referat, bei dem er die rund 100 Tagungsteilnehmer nicht nur zum Schmunzeln und Lachen brachte sondern auch zum Reflektieren über den Sinn des heutigen Sports. Hasler outete sich dabei als Leichtathletikfan aber auch als ein sehr kritischer Beobachter des Sports und seiner Entwicklungen. Von der SRG und ihren Journalisten wünscht er sich mehr Distanz zum Sportgeschehen («mehr Journalismus und weniger Kumpanei»), eine Verjüngung der journalistischen Equipe und eine «bessere, nuancierte und witzige Sprache».

Muss es denn immer Formel 1 sein?

Der Bieler Stadtpräsident Hans Stöckli sprach in seiner Grussadresse das Thema direkt an: Sportler wie Sportveranstalter möchten alle möglichst viele Fernsehminuten haben. «Muss es denn immer Formel 1 oder eine andere Weltsportart sein?» fragte er auch in seiner Eigenschaft als OK-Präsident des Eidgenössischen Turnfestes 2013. Er spielte damit den Ball dem heutigen Sportchef von SF DRS und designierten Sportchef von Schweizer Radio und Fernsehen SRF, Urs Leutert direkt zu.

Journalistische Unabhängigkeit wahren

Dieser gab in seinem Referat erste Antworten auf Stöcklis Fragen. Top-Leistungen bringen, Schweizer Werte vermitteln und ein gutes Image haben – diesem hohen Anspruchsniveau haben sich die Fernsehmacher im Leutschenbach verpflichtet. Leutert zeigte auf, dass sie sich in einem schwierigen Umfeld bewegen: Immer mehr Sportanlässe, neue Sportarten, eine hohe Kommerzialisierung, zunehmende Verrechtlichung, zunehmende Vernetzung und Verflechtungen Sport-Wirtschaft-Medien und immer mehr Sport-Fernsehkanäle. In diesem komplexen Umfeld gelte es für die SRG, die journalistische Unabhängigkeit zu wahren. Urs Leutert will mit seinen Leuten im Sport auf allen Kanälen (TV, Radio, Online, Mobile, Teletext) führend sein, eine konstant gute Marktposition haben und ein verlässlicher Partner sein. Publizistisch basiert die Sportberichterstattung auf einem Dreisäulenkonzept: die Schweizer Top-Sportler weltweit, die grössten Schweizer Sportanlässe und die grossen internationalen Sportanlässe zeigen. Das Fernsehen muss immer eine strenge Auswahl treffen, kann nicht alles zeigen.

Es geht um sehr viel Geld

Dass es für einen kleinen Player wie die SRG immer schwieriger wird, diese grossen internationalen Sportanlässe zeigen zu können, machte Marc Jörg von der EBU (European Broadcasting Union) klar. Der Leiter Sportrechte dieser Nonprofitorganisation der Fernsehveranstalter Europas, die jedes Jahr 100 Sportanlässe mit 12 000 Fernsehstunden abdeckt, zeigte auf, wie sich dieser Markt verändert hat. «Wir kämpfen heute mit den Veranstaltern immer um Geld». Der Sport ist weltweit ein 100-Milliardengeschäft. Die Senderechte für die Olympischen Sommerspiele in London kosten die EBU 500 Mio. Euro. Die nächsten Spiele in Sotschi 2014 und Rio de Janeiro werden noch teurer. Dass vor allem die grossen internationalen Sportverbände (IOC, FIFA, UEFA) für diese Entwicklung verantwortlich sind, darin waren sich die Referenten einig. Für Daniel Eckmann, stv. Generaldirektor der SRG, ist der Sport zu teuer geworden. «Die Jagd nach immer mehr (höher, weiter besser) hat den Sport weitergetrieben». Aber die zunehmende Kommerzialisierung sei für den Sport insgesamt auch ein grosses Risiko: «Kaltes Geld führt zu Betrug und tötet die Leidenschaft».

Fernsehen macht keine Sportlerkarrieren

An der Tagung kamen auch die Sportler zu Wort. Gianna Hablützel-Bürki (Fechten), Mario Rottaris (Eishockey) und Urs Kolly (Leichtathletik) waren sich einig, dass das Fernsehen keine Sportlerkarrieren schafft. Sportlerkarrieren gründeten in erster Linie auf den erbrachten Leistungen, dem Einsatz, dem Training und der Persönlichkeit. Dass das Fernsehen und die Medien dabei unterstützend wirken (beispielsweise bei der Suche nach Sponsoren), darin war sich die Podiumsrund einig.

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