Aktuelle Position

Workshop Public Value
Service public braucht es (erst recht) im digitalen Zeitalter
Die Zukunft hat längst begonnen. Die digitale Zukunft. Doch was bedeutet diese digitale Zukunft für den Service public der Medien? Braucht es diesen überhaupt noch – und wenn ja, was muss er bieten? Diese und ähnlichen Fragen haben etwa 20 Vertreter von fünf Medienhäusern mit öffentlich-rechtlichem Auftrag aus dem gesamten deutschsprachigen Raum am 4. Mai in Zürich diskutiert. Die so genannten „Public Value Workshops“ gibt es in dieser Form bereits seit 4 Jahren, zum ersten Mal hat das Treffen in der Schweiz stattgefunden.
Höhepunkt des Anlasses waren die Experten-Referate mit anschliessender Podiumsdiskussion.
Adrian Zaugg, Leiter Strategie SRG SSR warf in seinem Vortrag einen Blick in die Zukunft mit der Frage: „Was kommt auf uns zu?“, während der Züricher Soziologie- und Publizistikwissenschaftler, Kurt Imhof, beleuchtete, was diese Entwicklungen für die Qualität der Medien bedeutet. Zuletzt lieferte der in Oxford lehrende Viktor Mayer-Schönberger Antworten auf die Frage: „Was sollen wir in der digitalen Zukunft dürfen?“ Letzterer, der v.a. auch durch sein Buch „Delete - Die Tugend des Vergessens in digitalen Zeiten“ zu Bekanntheit gelangte, hat jüngst im Auftrag des ORF ein Gutachten mit dem Titel „Die Rolle öffentlich-rechtlicher Medien im Internet“ verfasst.
Mehr Spielraum im Internet
Imhof und Mayer-Schönberger sind sich einig: Es ist wichtig, dass Service public-Unternehmen im Internet mehr Freiheit und Autonomie erhalten. Imhof präzisierte jedoch einschränkend, es läge vor allem an den Service public-Unternehmen, auch im Internet grossmehrheitlich relevante Themen zu verbreiten, stelle er doch zunehmend fest, dass vor allem Social Networks von unterhaltsamen, aber völlig irrelevanten „Human-Interest“-Themen regelrecht überflutet werden.
Mayer-Schönberger bezeichnet rigorose Beschränkungen der öffentlich-rechtlichen Medienhäuser im Internet als „unsinnig.“ Das sei, als würde man öffentlich-rechtlichen Medienhäusern in Zeiten des Farbfernsehens vorschreiben, in schwarz-weiss zu senden. Dies sei wirtschaftlich absurd und demokratiepolitischer Unsinn.
Neben der Thematik der „Neuen Medien“ standen noch weitere Themen im Zentrum. So zeigte sich etwa, dass die meisten Medienhäuser sich stark um Austausch mit dem Publikum bemühen. So führen sowohl der Bayrische, wie auch der Westdeutsche Rundfunk regelmässig Publikumsgespräche durch, wobei Redaktorinnen und Redaktoren das Land bereisen und sich anhören, wo „der Schuh drückt“.
Dass es den Service public – auch im Zeitalter der unbeschränkten Newsflüsse – zwingend braucht, da sind sich alle einig. Denn: je grösser die Auswahl an Newsquellen, desto höher auch der Anteil an unzuverlässigen Nachrichten. Hier kommt den Medienhäusern mit öffentlich-rechtlichem Auftrag die Rolle Garanten für Qualität und Professionalität zu. Doch bringt all dies wenig, wenn das Publikum von den hohen Qualitätsstandards nichts weiss. Dem entgegenzuwirken ist heute bereits eine grosse Herausforderung für die Service public-Medienhäuser von morgen.
